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„ Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder. “
Paul Spiegel

Deutsche Friedensfreunde...

Jakob Augstein und seine Kollegen sind stets ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht selbstgefällig die Lehren aus 9/11 zu ziehen oder im Fernsehen möglichst viel Schwachsinn darüber zu schwadronieren. Nachdem der Spiegelkolumnist der Restvernunft schon längst den Todesstoß versetzt hat, betreibt er noch etwas Leichenfledderei. Zehn Jahre nach 9/11 gibt es für ihn nur Verlierer: Der Islam wurde von verblendeten Ideologen als Geisel genommen. Der Westen hat im Kampf gegen den Terror seine Werte verraten. Und jetzt haben wir auch noch die Islamophoben an der Backe.“

Die Opfer und ihre Angehörigen, gehören scheinbar nicht dazu. Menschen die ihre Nächsten verloren habe, Kinder die ohne Eltern aufwachsen, sie alle scheinen ihn wenig zu scheren. Viel mehr treibt ihn die Sorge um den Islam umher, dass dieser von bösartigen Ideologen missbraucht werden könnte und die eigentlich friedliche Stimmung von Islamophoben bedroht wird (der Unterschied zwischen Islamkritik und Islamophobie ist für ihn sowieso nicht weiter von Interesse).

Und der Westen. Ja, der Westen. Der hat im Kampf gegen den Terror natürlich seine Werte verraten und aus den Kriegen des 20. Jahrhunderts nichts gelernt, man sei immer noch dazu bereit sich gegenseitig auszulöschen. Und so ist, was der Schreiberling zum Irakkrieg zu sagen hat, in wenigen Sätzen zusammenzufassen „Den knapp 3000 Toten des 11. Septembers folgten mehr als 6000 getötete US-Soldaten in Afghanistan und im Irak, ungezählte Opfer in der Zivilbevölkerung, fünf Millionen Flüchtlinge und Kosten, die zurzeit auf über drei Billionen Dollar geschätzt werden.“

...und ihre Konfliktanalyse.

Das ist irrsinnige Gleichmacherei. Die Toten von 9/11 fielen einem grausamen Mordanschlag zum Opfer. Die toten US-Soldaten wiederum starben im Krieg, auch um zu verhindern, dass so etwas wieder geschieht. Das möchte und will Augstein nicht einsehen, viel wichtiger ist ihm zu behaupten, „dass sich selbst verurteilt, wer dem Gesetz der Rache folgt.“ Der Vorwurf der darin steckt ist der, dass der Krieg im Irak keiner gegen die Barbarei war, sondern einer aus niederen Rachegelüsten, der lediglich Mord und Totschlag zum Ziel hatte.

So wiegt Augstein eben nur Zahlen von Toten gegeneinander auf, der Unterschied zwischen einem terroristischem Massenmord und militärischer Intervention ist ihm nicht einmal nennenswert. Er spricht nicht von Massakern die Saddam Hussein an Kurden verüben ließ, er erwähnt mit keinem Wort das schreckliche Terrorregime das im Irak herrschte bevor die Koalition der Willigen intervenierte. Würde er dies tun, dann müsste er schließlich auch zugeben, dass es nicht nur Verlierer gibt, sondern dass es Gewinner und vor allem auch Gewinnerinnen gibt. Aber was sind schon freie Wahlen, Verbesserung der Menschen- und Frauenrechte, sauberes Trinkwasser, bessere Stromversorgung, Schulen und Krankenhäuser, wenn es darum geht den Anschein des Friedens zu wahren.

Das Augstein so beharrlich ausblendet liegt zum einen natürlich an seinem plumpen Antiamerikanismus, auf ihn projiziert er, was er sich unter Bösem vorstellt. Zum anderen ist die Ursache natürlich in seiner Idee vom Krieg als etwas grundsätzlich Falschem zu suchen. Dass ein Krieg Opfer in der Zivilbevölkerung fordert, das ist schreckliche Realität. Dass ein Krieg deswegen aber falsch sei, ist ein Gedanke, der seine Wahrheit spätestens seit dem Nationalsozialismus eingebüßt hat. Man kann Paul Spiegel gar nicht oft genug zitieren: „Die Konzentrationslager wurden nicht von Friedensdemonstrationen befreit.“

So kann Augstein – der scheinbar während der Reeducation geschwänzt hat – auch zu dem Schluss kommen, dass „Demokratie, […] sich nicht von außen herbeibomben.“ lässt, nein: „Sie muss von innen wachsen.“ Welch Glück für ihn, und seine, mit Sicherheit zahlreichen, deutschen Freunde, dass die Demokratie in Deutschland beständig von innen wuchs, um dann, 1945, endlich auszubrechen.

Es ist mit Sicherheit auch die Kategorie in der gesellschaftlicher Frieden gedacht wird, die Augsteins Begriff bestimmt, und einem sehr deutschen Standpunkt entspringt. In Deutschland wo man den Punkt 24 des NSDAP-Parteiprogramms – von den antisemitischen Formulierungen befreit – der Verfassung einverleibte, wo aus dem „Gemeinnutz vor Eigennutz“ ein „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ wurde, ist der american way of life, „die individualistische Konstitution der US-amerikanischen Gesellschaft, welche das Prinzip der Relativierung der Verfolgung des privaten Glücks zugunsten gemeinschaftlicher Imperative niemals zur Staatsdoktrin gemacht hat.“*

Im deutschen Verständnis vom gesellschaftlichen Frieden, nimmt das individuelle Glück eine untergeordnete Rolle ein, zentral dagegen ist das Funktionieren des Kollektivs. Der Umsturz einer Gesellschaft durch Intervention von außen – und sei sie noch so falsch – ist diesem Verständnis also ein Grauen, selbst eine nur kursorische Aufhebung der herrschenden Ordnung erschreckt das deutsche Gemüt. Frieden ist in Augsteins Augen statt dem am ehesten mit Freiheit assoziierbaren Zustand, schlichtweg die Abwesenheit von Krieg.

Dieses Gemüt zu verteidigen, hierzu ist Augstein angetreten. Sein Jargon ist ein willkürlicher, er macht alles gleich, besser gesagt: ihm ist alles gleich, solang er sich nur seinen durch und durch deutschen Pazifismus erhält. Durch Behauptung und Verklärung, durch einfache Schlagworte – wie im Titel „Der Kampf der Bösen“ – fordert er ein wovon er seinen eigenen blinden Beissreflex nährt: Das Ressentiment gegen Reflexion. Vielmehr ist es vor allem eines: Durch und durch fetischisierte Ideologie. Und die ist hauptsächlich stramm antiamerikanisch.

Der Hang zur Ideologie zeigt sich schon im Titel, unter dem alle seine Kolumnen auf Spiegel Online laufen: „Im Zweifel links.“ Auch dies meint nichts anderes als: Im Zweifel für die Ideologie, gegen rationale Argumente. Wer auf der Schrebergartenparty nebenan ist, der ist grundsätzlich ein Feind. Da können die Gäste im eigenen Schrebergarten Hetztiraden ausstoßen ohne Ende, wenn es um die eigene Ideologie geht trägt Augstein Scheuklappen.

Was soll er sich auch sorgen, was scheren ihn die Menschen die in Diktaturen unterdrückt werden, was kümmern ihn diejenigen welche Anschlägen von Islamisten zum Opfer werden. Er kann es sich ja im Sessel gemütlich machen und gegen Krieg wettern. Und bloß nicht daran denken, dass Frieden nicht gleich Frieden ist. Chapeau, Herr Augstein!

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*Alex Gruber: Deutschland – Amerika, in Feindaufklärung und Reeducation (Stephan Grigat, Hg.), ca ira-Verlag 2006, 226

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In der ideologischen Schrebergartenwelt der Deutschen ist Spiegel Online der Garten des Schrebergartenvereinspräsidenten. Das gefährliche Potential des Mediums liegt im gepflegten Jargon, der sich in Aussparungen ergehen, der in schneller Abfolge Schlagwort um Schlagwort aneinanderreiht, schnelle Befriedigung versprechend, in hysterischer Stilisierung statt in Analyse ergehend. Zur Sprache des Spektakels bei Spiegel Online äußerte sich Stefan Gärtner vor einiger Zeit in der Titanic und stellte ganz richtig fest, dass das besondere Übel an SPON ist, dass hier „das Verhängnis in der Reichweite“ liegt. Und ohne Zweifel “zum postmodernen Leitmedium gehört eben jene Bereitschaft zum Spektakel, das Aufklärung ans tautologische, im engen Sinne bedeutungslose Gelärme verrät; der Verdacht liegt nahe, daß dieses simulatorische Sperrfeuer der eigentliche Zweck der sog. Informationsgesellschaft als Endlosquatschschleife ist.“
Dort nun schreibt Jakob Augstein seit Anfang des Jahres eine Kolumne mit dem genauso dämlichen wie langweiligen Titel Im Zweifel links. In dieser versetzt er der Restvernunft, die sich bei ihm und seinen Kollegen im besten Falle in der stabilen Seitenlage befindet regelmäßig den Todesstoß.
Vor einigen Wochen stellte er fest, dass „nach allem, was wir unter dem Begriff verstehen, Amerika kein westliches Land mehr“ ist, faselte dabei von „einem Regierungssystem, das sich fest im Griff der Eliten befindet“ und „einem ausufernd aggressiven Militarismus, der in den vergangenen zehn Jahren zwei kostspielige Kriege vom Zaun gebrochen hat“, bezeichnete die amerikanische Gesellschaft als ideologisch verblendet, die sich „immer weiter vom Kern der Demokratie entfernt – dem Kompromiss“ entferne und beschloß dann: „Der Westen, das sind wir.“
Augsteins „wir“ ist natürlich kompromissbereit. Zum Beispiel mit Antisemiten und Islamisten. Und ähnlich wie sein leiblicher Vater, der verhinderte Antisemit Martin Walser, hetzt Augstein junior auch gerne mal gegen Israel (was bei Spiegel Online meistens Ulrike Putz zufällt). So auch diese Woche in seiner Kolumne. Darin fällt ihm zu Erdogans Drohung, die nächste „Hilfsflotte“ für den Gazastreifen mit Hilfe des türkischen Militärs ans Ziel zu bringen, lediglich ein dies als Erfolg zu bezeichnen. Kein Wort darüber, dass selbst die UN die Seeblockade für rechtmäßig befand. Stattdessen ein Satz der vor bösartiger Verleumdung nur so strotzt: „Als israelische Sicherheitskräfte vor einem Jahr in internationalen Gewässern das türkische Schiff „Mavi Marmara“ enterten und acht türkische und einen amerikanischen Staatsbürger erschossen , hatte die israelische Regierung das getan, was sie seit dem Sechstagekrieg vor 44 Jahren immer getan hat: ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel das durchzusetzen, was sie für die Interessen Israels hält.“
Ganz richtig, Jakob Augstein verliert kein Wort darüber, dass auf dem Schiff ein Haufen Antisemiten waren, die offen mit der Hamas kooperieren, und einen mörderischen Angriff auf die enternden Soldaten begingen. Ganz im Gegenteil, die einzige Eigenschaft die er ihnen zuspricht ist die türkische und amerikanische Staatsbürger zu sein – die implizite Konnotation dessen ignoriert ganz bewusst was sie wirklich sind, respektive gaukelt vor, man hätte es hier mit Bürgern zu tun, dem Inbegriff der Sanftmut, dem sich stets demokratisch legitim verhaltenden Subjekt – statt sie als das zu bezeichnen was sie doch sind: Terroristen.
Als ob das nicht genug wäre unterstellt er daraufhin, dass die israelische Regierung eine gewissenlose Mörderbande sei – und nicht einmal wisse, was die Interessen Israels sei. Dass es im Interesse Israels liegen könnte die eigene Vernichtung zu verhindern, das ist ein Gedanke den der Spiegelkolumnist gar nicht erst in Betracht zieht.
Stattdessen bemüht er sich weiter eifrig dem Fass den Boden auszuschlagen: „Die Palästinenser werden aller Wahrscheinlichkeit nach am 20. September vor der Uno-Vollversammlung ihren Staat fordern , und unter amerikanischer Führung wird die Forderung, die in Wahrheit alle für berechtigt halten, zurückgewiesen werden.“ Was Augstein hier so subtil anführt ist das altbewährte antisemitische Weltbild, das eigentlich wissen es alle, aber keiner traut es sich auszusprechen, von den im Hintergrund wirkenden Juden, welche dem Rest der Welt gegen deren Willen diktieren was sie zu tun und zu lassen haben. Genauso ignoriert er, dass der PLO-Repräsentant Maen Rashid Areikat erst vor kurzem wieder bewies wessen Geistes Kind die politische Führung der Palästinenser ist als er verkündete, dass weder Juden noch Schwule in einem palästinensischen Staat etwas zu suchen hätte. Man stelle sich den Aufschrei vor, der durch die Welt gehen würde, hätte ein israelischer Politiker ähnliches über das Lebensrecht von Palästinensern in Israel gesagt.
Am Ende präsentiert Augstein dann die einzige Lösung: „In dem Maße, in dem Amerikas Macht schwindet, wird Israel keine andere Wahl haben, als mit den Palästinensern Frieden zu schließen,“ befindet Augstein jun., und verpasst dabei ein entscheidendes Faktum: Dass das mit dem Frieden gar nicht so sehr an Israel hängt, sondern viel mehr an Organisationen wie der Hamas, die sich seit jeher die Vernichtung der Juden auf die Fahnen geschrieben haben. Aber das ist für ihn nichts weiter als eine Banalität, er macht sich nicht einmal die Mühe es zu dementieren oder zu bagatellisieren, nein, er ignoriert es einfach.
Aber damit nicht genug der Wahrsagerei, er hat noch mehr zu bieten, nämlich, dass der Nahost-Konflikt „in der kommenden Weltordnung […] keine große Rolle mehr“ spielen wird, denn „den Chinesen ist Israel egal.“Dass Jakob Augstein sich und seinen Lesern Israel als Feindbild erhalten wird, daran ist leider nicht zu zweifeln.

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