Im Adelsgeschlecht derer von Bülow war Vicco von Bülow – besser bekannt unter dem Namen Loriot – beileibe nicht die größte Witzfigur. Einer seiner Verwandten, der ehemalige Bundesminister und heutige verschwörungstheoretische Autor Andreas von Bülow ist – ignoriert man die Gefahr, die von solchen Wahrheitsverdrehern ausgeht – auch eine. Nur eben unfreiwillig. Eines seiner Bücher, „Die CIA und der elfte September“ vertritt die üblichen Verschwörungstheorien zu 9/11, wurde weit über 200.000 mal verkauft, ist inzwischen auch ins Arabische übersetzt und erschien gerade in der 7. Auflage. Außer einem hinzugefügten Nachwort wurde in den Neuauflagen nichts nennenswertes geändert, dass die Theorien von von Bülow und seinen Kollegen im Gruselkabinett der Verschwörungstheoretiker widerlegt sind, interessiert ihn und seinen Verlag nicht.
Beispielsweise ist die gängige Behauptung vieler Verschwörer, dass die Türme ohne zusätzliche Sprengung nicht einstürzen konnten, obwohl das längst von Wissenschaftlern hinlänglich bewiesen wurde. Auch beim Spiegel – wo man dem ehemaligen Minister und seinen kruden Theorien zwar gerade erst wieder ein wohlwollendes Porträt widmete – hat man u.a. den Sachverhalt bezüglich der angeblich noch lebenden Terroristen aufgeklärt, und bewiesen, dass was viele
Verschwörer gerne als Faktum heranziehen lediglich auf einem Missverständnis einiger Redakteure beruht.
In von Bülows Buch selbst stößt man auf eine kurze Anmerkung: „Alle Photos und Zeichnungen dieses Buches stammen aus der Broschüre »Painful Questions – An Analysis of the September 11th Attack« von Eric Hufschmid, die 2002 veröffentlicht wurde. Der Autor dankt Eric Hufschmid für die Bereitstellung von Bilddaten und für die Erlaubnis, dessen Zeichnungen abdrucken zu dürfen.“
Um zu erfahren in was für einer Gesellschaft von Bülow sich hier befindet, genügt ein kurzer Blick auf die Homepage von Eric Hufschmid. „Our main enemy is the global Jewish crime network, not the New World Order.“ steht dort. Und so geht es weiter, die ganze Seite ist voller antisemitischer Ausfälle, der antisemitische Kassenschlager „Protokolle der Weisen von Zion“ findet sich dort ebenso wie die üblichen Behauptungen, dass sich alle Medien unter zionistischer Kontrolle befinden, und auch ein Interview mit dem Holocaustleugner Robert Faurison, in dem dieser behauptet, dass die Gaskammern der Nazis niemals existiert haben.*
Eric Hufschmid also, der auf seine Homepage 9/11 als Judenwerk (Jewjob) bezeichnet, und beileibe nichts weiter ist als ein umtriebiger und bösartiger Antisemit, hat ein Buch verfasst: „Painful Questions; An Analysis of the September 11 Attack“. Darin werden angeblich wissenschaftliche Beweise herangeführt, die bezeugen sollen, dass die Attentate inszeniert waren. Und dahinter steckt nach Hufschmids Ansicht selbstverständlich niemand anderes als – na, wer wohl: die Juden.
Von Bülow stützt sich in seiner vermeintlich wissenschaftlichen Argumentation fast gänzlich auf Hufschmids Publikation. Es ist nun wirklich keine Unterstellung, sondern offensichtlich wie logisch, dass Hufschmid antisemitische Beweggründe hat und in seinem Interesse Fakten verdreht um sie so in sein Weltbild einfügen zu können. Von Bülow wird das wissen, und entweder ein Meister der Ignoranz sein, oder viel wahrscheinlicher: Hufschmids Ansichten (klammheimlich) teilen.
Die zweite wichtige Quelle für von Bülows Recherchen ist die Seite GlobalResearch.ca, auf der diverse Autoren publizieren. Aushängeschild und Verantwortlicher für die Seite ist Michael Chossudovsky, ein kanadischer Professor, der dort selbst Artikel schreibt und unter dessen Fittiche dort Verschwörungstheorien verbreitet werden. Die Seite ist – wie nicht anders zu erwarten – streng antiamerikanisch und antiisraelisch.
Erschreckend und bezeichnend ist vor allem eines: Mit welcher Leichtigkeit von Bülow davon ausgeht, dass weder CIA und Mossad noch die amerikanische Regierung davor zurückschrecken mehrere tausend Menschen kaltblütig zu ermorden. Dies lässt dann auch nur eine Schlussfolgerung zu, nämlich, dass von Bülow selbst sich einen Dreck um die Opfer und ihre Angehörigen schert. Anders ist sein Umgang mit dem Thema nicht denkbar, so ist es ihm möglich die Tat in die scheinbare Normalität einzubetten, sein hantieren mit den Toten und sein fantasieren über die Umstände fällt ihm so leicht, weil die betroffenen Menschen um die es geht lediglich Material sind, mit dem hantiert wird.
In dem kürzlich bei Spiegel Online veröffentlichten Porträt, wird erwähnt, dass natürlich niemand aus der momentanen SPD-Führungsriege mit ihm Kontakt habe, denn schließlich dürfen die nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden, denn, so sagt er: „Ich habe ja Verständnis dafür, dass man mit den USA zusammenarbeiten muss.“ Kurz gesagt: Er ist überzeugt, dass die, mit denen man da zusammen arbeitet gewissenlos tausende Menschen umbringen – aber, dass man mit ihnen zusammenarbeitet, das versteht er, das ist für ihn eine Banalität. Dass man ihm beim Spiegel ohne Bedenken Platz einräumt und die Möglichkeit gibt sich zu äußern ist eine ähnlich erchreckende Tatsache, wie die, dass von Bülow immer noch ein geduldetes Mitglied in der SPD zu sein scheint.
Wer bis jetzt der Meinung war, Thilo Sarrazin wäre das gruseligste SPD-Mitglied, der sollte wohl in Betracht ziehen, das zu überdenken.
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*Hierauf, und auf die anderen erwähnten antisemitischen Ausfälle Hufschmids zu verlinken, nur um sie zu beweisen, das muss nicht sein, der Link zu seiner Homepage ist des Schlechten schon zuviel.

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